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Ist die CO2-Kompensation bei Flügen sinnvoll oder nur ein Ablasshandel?

CO2 Ausgleich
Die CO2-Kompensation beim Fliegen

Ist die CO2-Kompensation eigentlich sinnvoll oder nur ein Ablasshandel? Auf welchen Plattformen kann der CO2-Ausgleich erfolgen? Was sind die Vorteile der Kompensation, was sind die Nachteile? Auf welchen Grundlagen werden bei Flügen die CO2-Emissionen eigentlich berechnet?

Wie läuft die CO2-Kompensation über atmosfair ab? Im neuesten Beitrag dreht sich alles um den CO2-Ausgleich beim Fliegen. 

 

Die CO2-Kompensation bei Flügen

Die Erde erwärmt sich, die Polkappen schmelzen und der Meeresspiegel steigt an. Auftretende Wetterextreme wirken sich heftiger als gewohnt aus und dauern auch länger an. Mancherorts treten heftige Überschwemmungen oder auch Dürreperioden auf. Der Klimawandel lässt sich bereits bezeugen.

Auch beim Fliegen werden schädliche Treibhausgase und CO2-Emissionen produziert. Es wird oft und viel geflogen. Wer sich bewusst machen möchte, wie viel gerade in diesem Moment geflogen wird, der sollte einen Blick auf flightradar24 werfen. Das ist aus Umweltsicht natürlich problematisch. Verständlicherweise aber wollen die meisten Menschen nicht auf das Fliegen und ihren verdienten Urlaub verzichten.

In diesem Beitrag berichte ich über die Möglichkeit der CO2-Kompensation bei Flügen.

CO2-Kompensation – was ist das überhaupt?

Das Reisen ist zu einem Massenphänomen geworden. Jährlich gehen immer mehr Menschen auf Reisen bzw. fliegen in den Urlaub. Die ausgestoßenen Treibhausgase und CO2-Emissionen leisten dabei auch ihren Beitrag zum Klimawandel.

Mit jedem Flug vergrößerst du sozusagen deinen CO2-Fußabdruck. Es ist innerhalb weniger Sekunden möglich, mit einem „Klimarechner“ den CO2-Ausstoß des Flugzeugs zu berechnen. Durch eine Ausgleichszahlung soll es möglich sein, den eigenen CO2-Fußabdruck zu verringern.

Für diesen Dienste gibt es viele Anbieter, inzwischen ist die CO2-Kompensation ein gängiges und akzeptiertes Geschäftsmodell. Die Bezahlung des Betrages kann ohne Probleme über die Internetseite des jeweiligen Anbieters abgewickelt werden. Dieser Prozess nimmt nur wenige Minuten in Anspruch.

In der Regel wird der Beitrag in Klimaschutz-Projekte investiert. Im Rahmen dieser Klimaschutz-Projekte wird an anderer Stelle die gleiche Menge  CO2 gebunden oder eingespart. Ist diese CO2-Kompensation aber sinnvoll oder ist es eher nur eine Art Ablasshandel für das schlechte Gewissen?

Die CO2-Emissionen bei Flugzeugen – ein paar Zahlen und Fakten

Die CO2-Ausstöße von Flugzeugen sind im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln enorm. Flugzeuge verbrauchen um ein Vielfaches mehr an CO2 pro „Personenkilometer“ als Bus oder Bahn (siehe Abbildung). Verglichen mit ICE-Zügen ist der pro-Kopf Verbrauch von CO2 bei Flügen innerhalb Deutschlands teilweise 10 Mal so hoch (Quelle: CO2 online). Doch nicht allein das CO2 aus verbranntem Kerosin ist problematisch. In großer Höhe können Flugzeugen auch Kondensstreifen und Schleierwolken bilden, die ebenfalls zur Erwärmung beitragen.

CO2 Kompensation
Im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln sind PKW´s und vor allem Flugzeuge echte Umweltsünder. Die Angabe der Konzentrationen erfolgt in „Gramm pro Personenkilometer“ (g/Pkm).

 

Der CO2-Fußabdruck bei ausgewählten Flügen im Vergleich zum „klimaverträglichen Ausstoß“

Um die Folgen des Klimawandels überschaubar zu halten ist es das Ziel der internationalen Klimapolitik, die durchschnittliche globale Erderwärmung auf ≤ 2°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

Für die Erreichung dieses Ziels verbleibt bis 2050 ein Emissions-Budget von insgesamt 750 Milliarden Tonnen CO2. Bei einer mittleren Weltbevölkerung von 8.2 Milliarden würde jedem Menschen zwischen 2010 und 2050 eine „klimaverträglicher Ausstoß“ von 2.3 t CO2 pro Jahr zustehen.

Ich habe mal einige Kalkulationen mit dem Klimarechner von atmosfair durchgeführt, die die Klimawirkung einzelner Flüge gemeinsam mit den „klimaverträglichen Ausstoß“ ins Verhältnis zu setzen.

  • Leipzig – L.issabon, 1006 kg CO2, Kompensationsbetrag 24 €
  • Berlin – Barcelona, 534 kg CO2, Kompensationsbetrag 13 €
  • München – Rom, 362 kg CO2, Kompensationsbetrag 10 €
  • Düsseldorf – New York, 2285 kg CO2, Kompensationsbetrag 53 €
  • Berlin Tegel – Abu Dhabi – Sydney (Australien), 8956 kg CO2, Kompensationsbetrag 207 €
  • Berlin Tegel – Frankfurt am Main – Rio de Janeiro, 5222 kg CO2, Kompensationsbetrag 127 €

Mit einem Flug von Berlin über Abu Dhabi bis nach Sidney in Australien ist also der „klimaverträgliche“ CO2-Ausstoß pro Person und Jahr für mehrere Jahre überschritten. Bei zwei Kurzreisen für je ein Wochenende in Lissabon und Rom ist der sog. klimaverträgliche Ausstoß um mehr als die Hälfte verbraucht.

Am Anfang von jedem Flug sollte also die Überlegung stehen, ob er notwendig ist. In den letzten Jahren sind bei Deutschen vor allem Städtereisen Mode geworden. Für ein Wochenende nach Barcelona, für ein paar Tage nach Mallorca. Viele Städte in Europa sind auch sehr gut mit Bus oder Bahn erreichbar.

 

Wann und warum ist ein CO2-Ausgleich sinnvoll?

Es gibt mehrere gute Gründe, um den eigenen CO2-Fußabdruck bei einem Flug bzw. bei einer Reise zu kompensieren:

  • die CO2-Ausstöße von Flugzeugen sind im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln enorm (siehe Abbildung & Tabelle)
  • du könntest eine Vorbildfunktion geben und auch andere davon überzeugen
  • bei transparenten Anbietern wird das Geld in sinnvolle Klimaschutz-Projekte investiert
  • vor allem bei Flügen innerhalb von Europa handelt es sich um kleine Beträge
  • das Geld ist steuerlich absetzbar
  • der Vorgang nimmt nur wenige Minuten in Anspruch

CO2 ausgleich fliegen flugzeug atmosfair

 

Anbieter  zur CO2-Kompensation – die Ergebnisse der Stiftung Warentest

Inzwischen ist der CO2-Ausgleich ein praktiziertes und gängiges Geschäftsmodell. Es gibt viele Anbieter, bei der Auswahl sollte vor allem auf Transparenz geachtet werden.

Im Verbrauchermagazin Finanztest wurden in der Ausgabe vom März 2018 insgesamt 6 Anbieter bewertet. Dabei schnitten 3 von ihnen mit „sehr gut“ ab und einer mit „gut“. Laut dem Test lassen sich die folgenden Anbieter empfehlen:

  • atmosfair (0,6 / sehr gut),
  • Klima-Kollekte (1,1 / sehr gut),
  • Primaklima (1,5 / sehr gut) und
  • Myclimate (2,2 / gut).

Atmosfair ist der Testsieger in CO2-Kompensation. Ein Grund dafür ist, dass die Beträge in mit CDM Gold Standard zertifizierte Klimaschutz-Projekte investiert werden. Die Beträge für die Flügen unterscheiden sich je nach Anbieter, da die Grundlagen der Berechnung unterschiedlich sind.

 

Atmosfair – der Testsieger in CO2-Kompensation

Ich selbst gleiche meine Flüge über Atmosfair aus, da ich Transparenz schätze.

Wie arbeitet der Klimarechner von Atmosfair?

Der Klimarechner von atmosfair arbeitet ziemlich präzise. Die Berechnung der Emissionen erfolgt unter Berücksichtigung der verschiedenen Schadstoffe. Grundlage ist der aktuelle Stand der Klimawissenschaft und die Gesamtwirkung der Schadstoffe in großen Flughöhen.

Es wird der wahrscheinliche Verbrauch eines Fluges unter durchschnittlicher Auslastung angegeben. Es fließen verschiedenen Faktoren mit in die Berechnung ein. Neben der Flughöhe spielen auch der Flugzeugtyp und die Anzahl der Sitze an Bord eine Rolle. Die Erstellung der Daten erfolgte im Rahmen wissenschaftlicher Forschungsprojekte, im Anschluss wurden sie vom Umweltbundesamt geprüft.

Für die Berechnung kann folgendes eingegeben werden:

  • nur Hinflug oder Hin- und Rückflug
  • Start- und Zielflughafen
  • Sitzklasse, Flugart und Flugzeugtyp

Weitere Informationen gibt es hier: Atmosfair Flug-Emissionsrechner – Dokumentation der Methode und Daten.

CO2 Kompensation
Die Eingabeoptionen zur Berechnung des CO2-Ausstoß bei Flügen.

CO2-Ausgleich bei Atmosfair – die einzelnen Schritte

Die Bezahlung der CO2-Kompensation kann über atmosfair innerhalb weniger Minuten abgewickelt werden. Zuerst erfolgt die Eingabe der Daten zum Flug – Start- und Zielflughafen, Anzahl der Personen, Sitzklasse usw. Nach einem Klick auf den Button „Berechnen“ wird die Klimawirkung des Flugs angezeigt und der dazugehörige Kompensationsbetrag.

CO2-Kompensation

Danach erfolgt ein Klick auf dem Button „Weiter“. Nun kann ein Klimaschutzprojekt ausgewählt werden, in welches das Geld investiert werden soll. Es ist auch eine gleichmäßige Ausschüttung auf alle Projekte möglich. Nach einem Klick auf den Button „Bezahlen“ erfolgt eine Eingabe der Daten. Eine Registrierung ist bei atmosfair nicht zwingend notwendig.

Die Bezahlung kann per Bankeinzug, Paypal oder Kreditkarte erfolgen. Nach der Bestätigung des Bezahlvorgangs erhältst du eine Email. Im Anhang der Mail befindet sich auch das Zertifikat für den CO2-Ausgleich.

 

Was macht atmosfair mit den gespendeten Betrag?

Das Geld wird in Klimaschutz-Projekte investiert. Mindestens 90% der CO2-Einsparungen werden nach dem CDM Gold Standard erbracht. Es handelt sich um den strengsten Standard für Klimaschutzprojekte. Der „Clean Development Mechanismus“ (CDM) meint Projekte zur Einsparung von Treibhausgasen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Bei atmosfair gibt es eine Übersicht zu den Projekten nach CDM Gold Standard.

Kleinere Projekte werden nach Gold Standard Microscale durchgeführt. Eine Übersicht zu diesen Projekten gibt es hier. Des Weiteren gibt es Pilotprojekte, bei denen innovative Ansätze zur CO2-Reduktion getestet werden. Bei den Pilotprojekten leistet atmosfair Anschub- und Teilfinanzierungen.

So kommt das gespendete Geld direkt jenen Ländern zu Gute, die direkt vom Klimawandel betroffen sind. Überschwemmungen, Dürren und Wetterextreme verursachen enorme ökonomische Schäden und werfen vor allem Entwicklungsländer zurück. Nach dem Klimarisikoindex von Germanwatch im Jahr 2017 waren Puerto Rico, Sri Lanka, Dominica, Nepal, Peru und Vietnam am stärksten von Extremwetter betroffen. Es trifft also vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer, die Industrienationen sind als Hauptverursacher kaum vom Klimawandel betroffen. Je ärmer ein  Land, desto verwundbarer ist es gegenüber den Folgen des Klimawandels.

 

Ist die CO2-Kompensation sinnvoll oder nur ein Ablasshandel?

Viele sind der Meinung, dass der CO2-Ausgleich bei Flügen nicht sinnvoll ist und nur ein Ablasshandel zur Beruhigung des schlechten Gewissens wäre. In der Tat klingt das Prinzip des CO2-Ausgleichs ein wenig banal.

Natürlich ist es in erster Linie am besten, Flüge zu vermeiden bzw. zu reduzieren. Darüber habe ich auch im Artikel Die Problematik des Fliegens geschrieben. Gerade innerhalb von Europa sind viele Reiseziele auch mit Bus oder Bahn erreichbar. Die Fahrtzeiten verlängern sich damit, doch die Auswirkungen auf Natur und Umwelt sind wesentlich überschaubarer. Bei aller Kompensation – mit vielen Flügen überziehen wir deutlich den „klimaverträglichen“ CO2-Ausstoß von 2.3 t pro Person und Jahr.

Doch Flüge lassen sich nicht immer vermeiden und die CO2-Kompensation ist nicht nur ein Ablasshandel. Jede ausgeglichene CO2-Emission ist besser als jede nicht kompensierte Produktion von klimaschädlichen Gasen. Dieser Fakt spricht eindeutig für die private Kompensation von CO2. Dabei sollte jedoch die Gesamtmenge entweder neutral bleiben oder noch besser verringert werden.

Ein weiterer Vorteil der Klimarechner ist, dass die Auswirkungen des Fliegens überhaupt erst für jeden greif- und messbar gemacht werden. Jeder kann bei Interesse den CO2-Abdruck infolge des Flugs errechnen. So denken mit der Zeit auch mehr Menschen darüber nach, ob denn ein Flug überhaupt notwendig ist.

 

Was ist bei der CO2-Kompensation problematisch?

Natürlich gibt es auch Bedenken beim CO2-Ausgleich.

  • der CO2-Ausgleich könnte dazu führen, dass viele mit einem besseren Gewissen fliegen. Es könnte paradoxerweise passieren, dass Menschen mehr fliegen als zuvor. Vermeidung ist deutlich förderlicher für das Klima als Kompensation
  • Bei den Klimarechnern der verschiedenen Portale erfolgt die Berechnung des CO2-Fußabdrucks auf höchst unterschiedliche Weise. Zum Beispiel Climate Fair setzt deutlich höhere Beträge zur Kompensation an als andere Anbieter.
  • Häufig ist unklar, was mit den gespendeten Beträgen passiert. Bei den vielen Anbietern lässt sich schnell der Überblick verlieren. Es ist zu empfehlen, die CO2-Kompensation bei einem bekannten Anbieter durchzuführen. Nicht umsonst ist atmosfair Testsieger.
  • Projekte für den Klimaschutz in Entwicklungsländer können auch lokale Auswirkungen haben. Was aus unserer Sicht Sinn ergibt, könnte regional andere Menschen in den Ruin treiben.

Persönliches Fazit – ja zur CO2-Kompensation

Am besten ist es, Flüge zu vermeiden bzw. zu reduzieren. Es ist aber auch besser, den eigenen CO2-Ausstoß zu kompensieren als ihn gänzlich zu ignorieren. Eine CO2-Kompensation kann innerhalb weniger Minuten realisiert werden, der Vorgang an sich ist unkompliziert.

Es ist positiv zu bewerten, dass sich immer mehr Menschen mit den CO2-Fußabdruck beschäftigen. So bekommen auch Reisende ein besseres Gespür für die Auswirkungen ihres Tuns. Eine einzelne Person, die mit gutem Gewissen „klimaneutraler“ reist, kann vielleicht auch andere zu mehr Bewusstsein überzeugen.

Der CO2-Ausgleich ist für Schwellen- und Entwicklungsländer förderlich und schärft das allgemeine Bewusstsein für den Klimawandel. Er sollte jedoch nicht als eine Einladung zur weiteren Verschwendung angesehen werden.

 

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