Die beeindruckenden Ruinen von Chavín de Huantar befinden sich 2 Fahrtstunden entfernt von Huaraz im Andenhochland Perus. Es handelt es um eine der ältesten Stätten des Landes, die Anlage liegt inmitten einer grandiosen Landschaft. Chavin de Huantar ist relativ unbekannt, obwohl es sich um das das bedeutendste antike Kulturzentrum des Landes handelt. Ein kurzer Reisebericht.
Inhaltsverzeichnis
Auf geht´s nach Chavin de Huantar
Schon die Busfahrt von Huaraz aus zu den Ruinen von Chavín de Huantar ist ein Erlebnis. Der Bus startet um 7 Uhr morgens, die vorbeiziehenden Landschaften sind abwechslungsreich und spektakulär. Der Weg führt über die Andenkette der Cordillera Blanca, das Gebiet wird auch als die Schweiz von Peru bezeichnet. Schneeweiße Gipfel rauschen wie an einer Perlenschnur aufgereiht an mir vorbei. Unterwegs erfolgt ein Stop an der azurblauen Laguna Querococha auf fast 4.000 Metern Höhe.
Wir erreichen unser Ziel nach rund 2 Stunden Fahrt. Das Gebiet befindet sich im Andenhochland östlich der Cordillera Blanca von Peru, zunehmend bestimmen von Feldern gesprenkelte Hügel das Landschaftsbild. Der Parkplatz befindet sich nur rund 100 Meter von den Ruinen entfernt, wir hören den vor sich hin plätschernden Río Mosna. Die Anlage Chavín de Huantar liegt nahe Chavin, eingebettet in einem Tal auf 3.200 Metern Höhe, es handelt sich übrigens um eine der ältesten Ruinen Perus.
Die Raymondi-Stele
Am Eingang erzählt uns der Guide noch eine sehr amüsante Geschichte. Er steht neben einem quaderförmigen Monolith aus Granit, es handelt sich um eine Kopie der sogenannten Raymondi-Stele. Das Original kann in Lima im Museo Nacional de Arqueología, Antropología e Historia del Peru bewundert werden.
Die Raymondi-Stele wird der späten Chavín Kultur zugerechnet, tatsächlich hat sie ein peruanischer Bauer auf einen seiner Äcker unweit der Pyramiden entdeckt und als Tischplatte verwendet. Unser Guide meint, dies wäre bezeichnend für den Umgang zahlreicher Peruaner mit den Zeugnissen der Vergangenheit. Bei der Vorstellung, über einen solchen Monument zu speisen, muss ich grinsen.
Das Relief stellt auf der Frontseite übrigens ein Mischwesen dar, vermutlich handelt es sich um eine Gottheit. Die gesamte Darstellung ist dabei symmetrisch. Die Steinplatte ist 198 cm hoch, unten 76 cm und oben 73 cm breit.
Der spezielle Reiz von Chavín de Huantar
Das Tal ist von Hügeln und kargen Gipfeln umgeben, das Gelände der Ruinen erscheint weitläufig. Einfache Lehmhäuser schmiegen sich an die umgebenden Berghänge, die Sonne scheint intensiv auf unsere Gesichter. In diesem Moment fällt mir ein, dass ich die Sonnencreme im Hostel vergessen habe.
Auf den ersten Blick wird die Bedeutung der Anlage von Laien oft unterschätzt. Tatsächlich wirkt der Haupttempel mit einer Seitenläge von 71 Metern auf den ersten Blick eher bescheiden. Die Mauern der Tempel sind vom Hochlandgras überwachsen, aus der Ferne könnten man sie auch für einen Grashügel halten. Die Schönheit der Ruinen wird beim Umherschlendern offenbar.
Es gibt viele Details zum Entdecken, welche die Fantasie beflügeln können. Was ist dort in der Mauer eingraviert? Wie haben die Menschen hier früher gelebt, haben auf den Hauptplatz Kundgebungen stattgefunden oder war es ein Markt? Was bedeutet dieser seltsame Steinkopf, von denen es noch viel mehr im Museo Nacional de Chavín zu sehen gibt? Die umgebende Landschaft mit den einfachsten Behausungen an den Berghängen tut ihr übriges.
Irgendwie fühle ich mich beim Umsehen an die Festung Kuelap bei Chachapoyas erinnert.
Die Bedeutung von Chavin de Huantar
Ja, die Mauern des Tempels sind nicht so präzise und schön wie bei den herausragenden Inka-Bauten. Die Stätten Ollantaytambo, Saqsaywaman und Machu Picchu wirken auf den ersten Blick deutlich beeindruckender. Nach Archäologen handelt es sich jedoch bei dieser Anlage um das bedeutendste antike Kulturzentrum Perus.
Die Anlage gilt jedoch nach Wikipedia als das älteste Ensemble an Steinbauwerken des Landes, es handelt sich um eine der ältesten Stätten in ganz Amerika. Eine Tafel im Eingangsbereich lässt deutlich werden, dass Chavin de Huantar für peruanische Wissenschaftlicher das nationale Rom oder Jerusalem darstellt.
Bei den Chavin handelt es sich um eine peruanische Hochkultur. Sie bevölkerten die Küste und auch das Hochland von Peru zwischen 850 und 200 vor Christus. Es ist bis heute unklar, welchen Zwecken Chavin de Huantar gedient hat. Es wird angenommen, dass es sich um ein Zeremonie- bzw. Kulturzentrum handelte. Nachgewiesen ist jedoch, dass die Chavin einen überaus entscheidenen Einfluss auf die nachfolgenden Kulturen hatten. Die Chavín waren eine überaus hochentwickelte Kultur – die angelegten unterirdischen Gänge, die beeindruckenden Tempel der Anlage, das ausgeklügelte Drainage-System, die Steinköpfe und auch die Keramiken im Museo Nacional de Chavín belegen dies.
Der Ruinenkomplex wurde im Jahr 1985 zum UNESCO-Weltkulturerbe erkärt.
Der Aufbau von Chavin de Huantar
Chavin de Huantar ist eine großräumige Anlage. Das Gelände besteht aus mehreren Gebäuden (Tempel) mit verschiedenen Plattformen und Innenhöfen. Die folgende Abbildung erklärt den Aufbau der gesamten Anlage.
Das älteste Gebäude ist dabei der Alte Tempel, dieser ist mit dem Nordflügel verbunden. Der angrenzende Junge Tempel (auch Castillo genannt) ist das Hauptgebäude. Es handelt sich um eine quadratische Pyramide, sie ist 71 Meter lang und 15 Meter hoch. Zum Schutz vor Erdbeben weisen die Seitenwände einge geringe Neigung von 7° auf. Die beiden Tempel ergeben zusammen mit dem Nordflügel eine U-förmige Struktur. Im Zentrum dieser Struktur liegt der Kreisrunde Platz (Plaza Circular), dort wurden höchstwahrscheinlich Zeremonien durchgeführt.
Unterhalb des Neuen Tempfels befindet sich der quadratische Hauptplatz (Plaza Mayor), seine Ausdehnung beträgt rund 50 x 50 m². Dort hat sich vermutlich das Leben absgespielt und es wurden Kundgebungen abgehalten.
Die Kammern, Treppen und Rampen im Inneren der beiden Pyramiden (Tempel) werden durch unterirdische Gänge miteinander verbunden. Diese Gänge erscheinen sehr gut erhalten bzw. restauriert, sie weisen außerdem waagerecht verlaufende Ventilationskanäle auf.
Die Hauptattraktion des unterirdischen Labyrinths ist jedoch „El Lanzón“, ein rund 4 Meter hoher Monolith aus Granit unterhalb des Haupttempels. Es handelt sich um ein menschlich gestaltetes Gottesbild mit katzenähnlichem Gesicht, der Monolith hat außerdem die Form eines Messers mit dem Griff nach oben.
Das Museum in Chavín
Die Exkursion findet durch den Besuch des Nationalen Museums in Chavín ihren Abschluss. Dort werden unter anderem Steinköpfe (Cabezas Clavas), bearbeitete Granit-Quader und Keramiken ausgestellt.
Die ausgesgellten Granit-Quader sind unter anderem auch mit Schlangen und Kondor-Flügeln verziert. Ähnliche Symbole haben später auch die Chachapoyas (Festung Kuelap) und die Inkas verwendet. Vor allem die ausgestellen Keramik-Gefäße weisen große Ähnlichkeiten zu jenen der Moché-Kultur auf. Die Steinköpfe waren ursprünglich an den Mauern der Ruinenanlage befestigt, derzeit befindet sich nur noch einer an seinem eigentlichen Platz. Sie erscheinen sehr gut erhalten bzw. restauriert. Archäologen vermuten, dass es sich bei diesen um Darstellungen von Opfern oder gefangen Feinden handelt.
Chavin de Huantar – hinkommen
Bist du jetzt neugierig geworden und möchstest diese Ruinen auch besuchen? Am einfachsten ist es, von Huaraz aus nach Chavín de Huantar zu gelangen. Die Ruinen befinden sich in der Region von Ancash, rund 500 Kilometer nördlich von Lima und 2 Fahrtstunden von Huaraz entfernt.
Ich selbst habe in Huaraz an einer organisierten Tour teilgenommen und dafür 50 Soles bezahlt (3.7 Soles ~ 1 €). Diese Tour hat den ganzen Tag gedauert und es war ein wunderbarer Tag.
In Huaraz lassen sich auch eine Menge andere Dinge unternehmen. Aufgrund der exponierten Lage in den Zentralanden von Peru gibt es zahlreiche Ausflugsziele in der näheren Umgebung.
Fazit Chavín de Huantar
Die Ruinen von Chavin de Huantar sind mehr als sehenswert. Sie liegen eingebettet in einer sehr schönen Landschaft, der Tourismus ist mit Machu Picchu absolut nicht vergleichbar. Deswegen ist es auch möglich, die Anlage relativ ungestört zu erkunden. Obwohl es sich um eine der ältesten Ruinen handelt, erscheint die gesamte Anlage sehr gut restauriert und mit ein wenig Fantasie lässt sich das frühere Leben vor Ort durchaus vorstellen.
Für Kulturinteressierte und Historiker ist Chavin de Huantar ohnehin ein Muss. Die Chavin haben nachweislich einen maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Kulturen und Völker gehabt. Die Keramiken der Chavín weisen typische Raubkatzenmotive auf, diese Motive wurden zum Beispiel auch bei der späteren Moche-Kultur (Trujillo) entdeckt. Die Mauern Festung sind teilweise mit Schlangen bzw. Kondoren verziert, ähnlich wie bei den Wolkenmenschen rund um Chachapoyas (Festung Kuelap) oder den Inka-Mauern in und um Cusco.
Hat dir dieser Artikel denn gefallen oder gar geholfen? Wenn ja dann teil´ ihn doch =)
Weitere Informationen über Peru findest du im Artikel Backpacking in Peru – der Komplettguide. Alle weiteren Reiseberichte zu Peru findest du hier.
Kommentar hinterlassen