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Trekking am Vulkan Misti in Peru bei Arequipa – mein Scheitern

Der Misti ist der bekannteste Vulkan Perus

Der Vulkan Misti ist 5.822 Meter hoch und gilt als das Wahrzeichen der Stadt Arequipa. Der Misti flankiert zusammen mit zwei weiteren Vulkanen die größte Stadt von Südperu und gilt mit seiner perfekten Kegelform als einer der schönsten Vulkane Südamerikas. Zweimal habe ich versucht, den Misti zu bezwingen und aus mehreren Gründen bin ich beide Male gescheitert.

 

Trek auf den Vulkan Misti – Aufstehen um 3:30 Uhr

Um 4:00 am Morgen sitze ich auf der Couch, die Wanderstiefel von Meindl habe ich bereits angezogen. Neben mir steht mein voll gepackter Rucksack: 5l Wasser, Schlafsack, Snacks, 300 g Schokolade, Coca-Blätter, meine Kamera.

Es ist still im Hostel. Heute geht es auf den Vulkan Misti, dieser flankiert zusammen mit dem Chachani und dem Picchu Picchu die Weiße Stadt Arequipa, die bedeutendste Stadt von Südperu. Der Schichtvulkan Misti ist der bekannteste dieser drei Vulkane, er ist 5.822 m hoch und gilt als das Wahrzeichen von Arequipa, außerdem ist er wohl einer der schönsten Vulkane Südamerikas.

 

Es ist kühl in Arequipa, ich kann den Vulkan Misti schemenhaft erkennen

Endlich, nach zwanzig Minuten  hält vor der Tür ein Jeep und dann geht es los. Der Fahrer stellt sich mir als Rodrigo vor. Unterwegs holen wir noch zwei weitere Personen von einem anderen Hostel ab. Es ist kühl, das nächtliche Arequipa blickt mich durch mein Fenster an. Ich sehe niemanden auf den Straßen, nur umherstreunende Hunde. Es ist kalt und dunkel draußen, ich kann den Misti nur schemenhaft erkennen.

Später finden wir uns in einer Agentur wieder, die letzten Vorbereitungen für den 2-Tage-Trek laufen. Die Zelte sind zusammen mit den Schlafsäcken in unseren Rucksäcken verpackt. Mein Rucksack wiegt schwer, ich versuche mir gerade den Kraftakt vorzustellen, mit diesen um mehr als 1.000 Höhenmeter bergauf zu gehen. Es gibt sicher einfachere Dinge, als mit mehr als 20 kg Gepäck einen Vulkan zu erklimmen.  Nachdem wir alle unsere Stirnlampe getestet haben, sitzen wir voller Anspannung im Jeep. Die Spannung ist förmlich greifbar, es wird kaum gesprochen.

 

Man könnte meinen, der Misti hätte eine Eruption

Mittlerweile ist es hell geworden, es ist 8 Uhr morgens. Der Misti thront erhaben über Arequipa, sein Kegel ragt um mehr als 3.500 Meter über der Stadt empor, die Spitze ist von grauen Wolken umgeben. Fast schon könnte man meinen, der Misti hätte eine Eruption. Doch es ist still, die Erde bebt nicht. Wir sitzen mehr als eine Stunde im Jeep, es geht immerzu bergauf. Arequipa liegt auf 2.300 m Höhe, der Basispunkt für unseren Trek liegt auf 3.415 m. Die Fahrt im enorm unwegsamen Gelände gestaltet sich abenteuerlich, mein Kopf schlägt mehrmals gegen die Fensterscheibe.

Der Gipfel des Misti ist von Wolken umgeben.
Der Vulkan Misti – Blick von Arequipa

 

 

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Der Trek auf den Vulkan Misti beginnt am Basispunkt auf 3.415 m.

 

Es ist mein zweiter Trek zum Misti

Als wir uns am Basispunkt einfinden, da kehren Erinnerungen wieder. Ja, ich bin schon einmal hier gewesen. An genau der gleichen Stelle habe ich auch vor mehr als zwei Jahren den Misti voller Ehrfurcht bewundert, mit ebenso schwerem Gepäck auf den Schultern. Auch damals stand ich hier, mit einen vollgepackten Rucksack und voller Enthusiasmus. Leider musste ich auf 5.400 m Höhe aufgeben wegen zu hoher körperlicher Erschöpfung. Auch jetzt noch ärgere ich mich noch darüber.

Damals hat die Sonne geschienen, der Himmel war hellblau, nur von wenigen Wölkchen getrübt. Ich hatte unmittelbar die beiden Tage zuvor einen Trek in den wunderschönen Colca-Canyon gehabt.

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Vor zwei Jahren war der Misti-Vulkan schneebedeckt.

 

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Mit schwerem Gepäck am Fuß des Misti

 

Das Campamento am Misti-Vulkan auf 4.600 m Höhe

Wir schultern unsere Rucksäcke mit mehr als 20 kg Gepäck und laufen los, unsere Blicke fallen immer wieder auf den auf den von Wolken umgebenen Gipfel. Das Gelände ist steil, die Vegetation der Trockensavanne zeichnet sich durch dornige Sträucher und mannshohe Büsche aus. Ein dichter Nebelschleier liegt über Arequipa, die Stadt ist nicht mehr zu erkennen. Wir laufen sehr langsam, um uns an die zunehmende Höhe zu gewöhnen. Mittlerweile kaue ich mein erstes Coca-Bonbon.

Wir legen unterwegs kurze Pausen ein, dann geht es weiter bergauf. Unser Camp liegt auf 4.600 m Höhe. Es wird zunehmends nebliger und kühler, später regnet es. Der Misti erhebt sich vor uns wie ein schwarzer, massiger Koloss. Auch der Rucksack auf den Rücken wird mit der Zeit immer schwerer. Mir kommt jede Pause recht. Vor zwei Jahren war es einfacher gewesen, damals war ich besser an die Belastung gewöhnt, aufgrund des Treks in den Colca-Canyon.

Der steinige Untergrund besteht zuweilen aus schwarzem Vulkansand. Es geht weiter, Schritt für Schritt und Atemzug für Atemzug. Es dauert nicht so lange, da haben wir die 4.000 m Grenze überschritten. Wir gehen langsam, Schritt für Schritt und Atemzug für Atemzug, immerzu den Misti vor Augen. Mich überkommt eine matte Müdigkeit, außerdem habe ich leichte Kopf- und Magenschmerzen. Mein Nebenmann Guilbert aus Lima hat die gleichen Symptome und unser Guide meint, dies wäre normal.

Wir kauen einen kleinen Riegel Schokolade und fühlen uns etwas besser.

 

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Der Misti erhebt sich vor uns wie ein massiger, schwarzer Koloss.

 

Beim Trek durch Schnee überrascht

Der Regen wird schwerer, auf 4.200 m Höhe schneit es. Teilweise setze ich zwei Schritte in den Sand und falle dabei um einen Schritt zurück. Der Aufstieg ist technisch gesehen nicht schwierig, doch dafür sehr anspruchsvoll. Der schwere Rucksack samt Schlafsack und Zelt auf den Rücken kostet Kraft. Völlig außer Atem erreiche ich mit den anderen am frühen Nachmittag das Basiscamp.

Der Ausblick auf den Vulkan Chachani und die 850.000-Einwohner Stadt Arequipa ist spektakulär. Die Vulkane Misti, Chachani und Picchu Picchu zählen zur „Cordillera Volcánica“ von Südperu, diese ist Nordwest-Südost orientiert und erstreckt sich über eine Distanz von 80 km und der Chachani ist dabei mit 6.057 m die höchste Erhebung.

Die Cordillera Volcanica von Südperu zählt zum nördlichen Teil der Zentralen Vulkanzone (Central Volcanic Zone) von Südamerika, diese verläuft in einem Bogen von Südperu bis nach Nordchile an den Grenzen Chile-Bolivien und Chile-Argentinien.

Der Ausblick vom Campamento des Misti auf die 850.000-Einwohner Stadt Arequipa ist spektakulär
Der Ausblick vom Campamento des Misti auf die 850.000-Einwohner Stadt Arequipa ist spektakulär

 

Wunderbare Aussicht! Der Chachani ist mit 6.057 m die höchste Erhebung der Cordillera Volcanica von Südperu
Wunderbare Aussicht! Der Chachani ist mit 6.057 m die höchste Erhebung der Cordillera Volcanica von Südperu

 

Wir bauen noch schnell unsere Zelte auf, das Abendbrot wird schon um 17 Uhr zubereitet: es gibt Nudeln mit Tomatensoße und Coca-Tee. Es weht ein arschkalter Wind, daher essen wir alle in unseren Zelten. Spätestens um 19 Uhr sitzen oder liegen wir im Zelt, es gilt nun zu schlafen. Am nächsten Tag geht es schließlich sehr früh los.

 

Aufstehen um 3:00 Uhr morgens

Bereits um 03:00 am Morgen stehen wir auf, es gibt noch ein kurzes Frühstück: Nudelsuppe mit Coca-Tee, dazu gibt es noch Brötchen und Marmelade. Es weht kühler Wind, es ist stockdunkel. Wir ziehen uns unsere Schuhe an und setzen uns die Stirnlampe auf. Unter uns liegt Arequipa, ein nächtliches Inferno aus Lichtern unter nachtblauem Himmel, um mehr als 2.000 Höhenmeter tiefer gelegen.

Der Blick aus dem Zelt auf das nächtliche Arequipa
Der Blick aus dem Zelt auf das nächtliche Arequipa

 

Der Aufstieg – die Entscheidung zwischen Aufgeben und Weitermachen

Es liegen nur 10 cm Schnee, wir laufen langsam und gemächlich. Unser Guide sagt, dass der Aufstieg vom Campamento aus bis zum Kraterrand des Misti ungefähr 6-8 Stunden dauern soll. Wir tragen nur noch das Wasser und unsere Snacks im Gepäck, es gilt schließlich 1.200 Höhenmeter zu überwinden. Mit jedem Schritt wird es anstrengender, die Luft wird zunehmend dünner. Mir kommt es teilweise vor, als wäre ich in einer Art Trance oder Dämmerzustand, der mich übermannt. Es ist ein dumpfes Gefühl, welches sich zusammen mit einer matten Müdigkeit im gesamten Körper ausbreitet, angetrieben von Sauerstoffmangel und körperlicher Erschöpfung.

Ich habe mich auf den Schnee nicht ausreichend vorbereitet, ich hätte meine Füße wegen der Nässe in einen Beutel einpacken können.  Trotz das Schnees benötigen wir keine Spice-Schuhe. Wir hätten ohnehin keine dabei gehabt, wir waren alle mehr oder weniger von den Schnee überrascht worden. Das war anders, als ich vor zwei Jahren hier gewesen bin: damals war der Misti ab einer Höhe von 5.100 m mit mehr als einem halben Meter Schnee bedeckt. Der Aufstieg mit Spice-Schuhen und Eispickeln hatte mich damals meine gesamte Kraft und Konzentration gekostet.

 

Der schmerzhafte Entschluss am Misti auf 5.300 Meter Höhe

Wir legen nach jeder Stunde eine Pause ein, unter höchster Kraftanstrengung gehe ich mit. Die Kopfschmerzen werden mehr und mehr, mein Magen rumort. Am Ende geht es einfach nicht mehr. Auch die Coca-Blätter von Guilbert kommen nun zu spät.  Übelkeit übermannt jede Fase meines Körpers. Mein Guide rät mir, umzukehren.   Es wäre besser gewesen, auch dieses Mal im Vorfeld eine Tour zum Colca-Canyon zu unternehmen und im Anschluss noch 1-2 in Arequipa zu akklimatisieren. Wahrscheinlich wäre es auch besser gewesen, früher die Coca-Blätter zu mir zu nehmen.  Eine bloße Akklimatisierung von einem Tag ist offenbar nicht ausreichend. Es tut mir weh, ich muss leider erneut aufgeben, dieses Mal befinde ich mich auf 5.300 m. Schweren Herzens mache ich noch eine kurze Pause und laufe mit einem Guide zum Campamento zurück.

 

Der Misti – aller guten Dinge sind drei

So steige ich langsam ab und warte im Campamento auf den Rest. Dabei bestaune ich die spektakulären Aussichten auf Arequipa und den mächtigen Chachani. Mittlerweile ist die Stadt aus dem Schlaf erwacht. Wieder ist es mir nicht gelungen, den Misti zu bezwingen. Ich werde noch ein weiteres Mal wiederkehren und es dann schaffen. Aller guten Dinge im Leben sind drei, manchmal benötigt man einfach drei Versuche und mit der Summe der Erfahrungen aus den ersten beiden wird dies auch gelingen.

 

Der abenteuerliche Abstieg in Richtung Arequipa

Der Abstieg ist abenteuerlich und macht Spaß. Parallel zum Weg liegt ein Hang, mit Vulkansand bedeckt. Es ist ein absolutes Vergnügen, in großen Schritten rutschend durch den schwarzen Vulkansand zu gleiten, immerzu Arequipa vor Augen. Unsere Schuhe füllen sich dabei mehr und mehr mit Sand. Nach einigen Stunden kommen wir wieder am Basispunkt an, ein Jeep wartet bereits. Rodrigo bringt uns wieder zurück nach Arequipa. Ich blicke zurück auf den imposanten Gipfel des Misti, mit stark gemischten Gefühlen und ich denke mir dabei: „Mach´s gut, wir sehen uns wieder!“

Der Abstieg bereitet uns Spaß
Der Abstieg bereitet uns Spaß

 

Was sonst noch wichtig ist:

Informationen über die Tour zum Misti:

Was kostet eine Tour?

Eine Tour über 2 Tage von Arequipa aus kostet mindestens 250 Soles.

Im Umkreis der Plaza de Armas finden sich Agenturen, welche die Tour als Zwischenvermittler anbieten. Also einfach eintreten und erkundigen.

 

Ist eine Besteigung des Misti auch auf eigene Faust durchführbar?

Es ist sicherlich auch möglich, mit einer sehr guten körperlichen Verfassung und auch mit der entsprechenden Ausrüstung bzw. Vorbereitung den Aufstieg allein durchzuführen. Ich würde dies jedoch aus den folgenden Gründen nicht empfehlen:

  • Von Arequipa aus ist der Basispunkt schwer zu finden
  • Es ist sicherer, den Misti in einer Gruppe zu besteigen
  • Es haben sich Leute auf den Rückweg vom Gipfel zum Basispunkt verlaufen und sie sind verdurstet
  • Ohne jegliche Ortskenntnis ist der Hinweg etwas gefährlich und es sind schon zahlreiche Touristen überfallen worden. Arequipa ist mancherorts ein heißes Pflaster.

 

Was sollte noch beachtet werden?

Akklimatisation

Eine umfassende Akklimatisierung ist möglicherweise überlebenswichtig. Ich würde empfehlen, im Vorfeld eine Tour zum Colca-Canyon zu unternehmen. Bei dieser Tour wird auch ein Bergpass auf 4.800 m Höhe überquert und so kannst du vorher schon mal dünne Höhenluft schnuppern.

Wenn du an einen mehrtätigen Trek teilnimmst: der Trek ist anstrengend, du solltest dir nachher 1-2 Tage Zeit zur Erholung lassen. Eine bloße Akklimatisation in Arequipa über 2 Tage ist nur bedingt ausreichend. Es ist auch möglich, dass du über die Route Lima – Cusco – Puno am Titicacasee nach Arequipa reist.

 

Guide & Agentur

Du solltest darauf bestehen, dass du dich schon mal im Vorfeld mit deinem Guide unterhalten kannst um herauszufinden, ob er dir sympathisch ist. Es ist wichtig, dass du deinen Guide vertrauen kannst. Ich war auf einer meiner beiden Touren mit meinem Guide aus verschiedenen Gründen vollkommen unzufrieden.

Es ist wichtig, dass du bei deiner Agentur und auch bei deinem Guide ein gutes Gefühl hast. Es schadet  nicht, sich im Vorfeld zu erkundigen und auch das Angebot verschiedener Agenturen zu vergleichen.

Vielleicht hast du zum Beispiel Glück und findest eine Agentur, welche schon die Zelte auf den Campamento aufgebaut hat, so dass du nicht den Rucksack samt Zelt und Schlafsack nach oben schleppen musst.

 

Ausrüstung

  • 5-7 l Wasser pro Person (Trink- und Kochwasser)
  • Schokoriegel, Snacks, Coca-Blätter
  • Schlafsack und Zelt
  • evt. ein Trekkingstock für die Entlastung beim Abstieg
  • Taschenlampe
  • Sonnenbrille, Sonnenschutz
  • dicke Socken, Handschuhe
  • festes Schuhwerk
  • evt. Tabletten gegen die Höhenkrankheit (einfach nachfragen in den farmacias von Arequipa)

Der größte Teil der Ausrüstung kann gegen eine kleine Gebühr bei der Agentur ausgeliehen werden.

 

 

 

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2 Kommentare zu Trekking am Vulkan Misti in Peru bei Arequipa – mein Scheitern

  1. Tolle Aufnahmen!
    Und das mit dem Scheitern kenne ich auch. Manchmal hängt es auch nur an einem kleinen Felsvorsprung. Man ärgert sich über sich selbst, kann aber dennoch nichts daran ändern.
    Trotzdem wächst man an seinen „Mißerfolgen“ mehr als an Erfolgen. Du wirst es beim dritten Mal sicher schaffen. Alles Gute dafür.

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