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Potosi Silbermine in Bolivien – mein Besuch des Bergwerks am Cerro Rico

potosi silbermine
Der Cerro Rico beherbergt die einst reiche Silbermine von Potosi. Ein Foto von Beo.

Die Silbermine ist die Hauptsehenswürdigkeit von Potosí in Bolivien. Potosi hat hat rund 180.000 Einwohner und liegt auf knapp 4.000 Metern Höhe. Damit zählt die Stadt mit zu den am höchsten gelegenen Großstädten der Welt. Meine Eindrücke von Potosí und der einst reichsten Silbermine der Welt.

 

Meine ersten Eindrücke von Potosí

Mein erster Gedanke, als ich in Potosí ankomme, ist der folgende: „Wie kalt!“. Potosí liegt auf knapp 4.000 Metern Höhe und ich erreiche die Stadt mitten in der Nacht durch einem Bus aus La Paz.

Ein Taxi bringt mich zum gewünschten Hostel, doch das Tor ist verschlossen. Ein eisiger Wind weht mir beim Aussteigen ins Gesicht. Nach einigen Minuten Ratlosigkeit bringt mich der nette Taxifahrer noch zu einer heruntergekommenen Residencia.

Am nächsten Morgen wache ich schon um 7 Uhr auf und nach einem kurzen Frühstück erkunde ich die Stadt. Das Stadtbild von Potosí ähnelt teilweise der Residencia – die Stadt wirkt heruntergekommen und überholt, als wäre sie in einem früheren Jahrhundert stehengeblieben. Es gibt nicht besonders viel zu sehen. An den Straßen verkaufen die Bolivianas in traditioneller Tracht ihre Ware – unter anderem Kartoffeln, Bananen und Socken.

Potosi wirkt auf den ersten Blick ziemlich heruntergekommen.
Potosi wirkt auf den ersten Blick ziemlich heruntergekommen.

 

Am auffälligsten ist der Cerro Rico, dieser thront wie eine Pyramide über der Stadt. Dieser Berg hat Potosí einst zur reichsten Stadt in Südamerika gemacht.

Der Cerro Rico ist das Wahrzeichen von Potosi.
Der Cerro Rico ist das Wahrzeichen von Potosi.

 

Die Vergangenheit von Potosi – einst die reichste Stadt in Südamerikas

Potosí, einst die reichste Stadt von Südamerika? Ich kann es im Angesicht der heruntergekommen Gassen selbst kaum glauben. Cerro Rico bedeutet übrigens „Reicher Berg“, es war früher die reichste Silbermine der Welt.

Schon die Inkas hatten im Cerro Rico Silber gefördert, später vereinnahmten die spanischen Eroberer das Bergwerk. Gegen Mitte des 16. Jahrhunderts errichteten die Spanier eine Bergbausiedlung in Potosí. Später entwickelte sich Potosí zur Hauptstadt der spanischen Silbers und die Indios waren gezwungen, in den Minen für die Kolonisten zu arbeiten. Bis zum Jahr 1611 wurde Potosí mit über 150.000 Einwohner eine der größten Städte der Welt. Über rund 100 Jahre blühte der Bergbau auf, danach wurde es schwieriger, das Silber zu beschaffen.

Potosi wurde aufgrund seiner Vergangenheit im Jahr 1987 von der Unesco zur Weltkulturerbestätte ernannt. Heute erinnern einige Kolonialhäuser in Potosi an glorreiche, vergangene Zeiten. Einige Gassen innerhalb der Stadt erzählen mir viel vom vergangenen Wohlstand. Reich scheint hier aber niemand mehr zu sein. Ich blicke in wettergegerbte, runzlige Gesichter. Die Bewohner tragen abgenutzte Kleidung und die Verkäufer freuen sich, wenn ich eine Orange kaufe.

Die Kolonialhäuser in der Stadt erinnern an den einstigen Wohlstand in Potosí
Die Kolonialhäuser in der Stadt erinnern an den einstigen Wohlstand in Potosí

 

Potosí Silbermine – eine Tour zum Reichtum vergangener Tage

Da ich Geologie bin, ist es für mich natürlich Pflicht, die Silbermine von Potosi zu besuchen. Am zweiten Tag nach meiner Ankunft nehme ich an einer Tour zur Silbermine im Cerro Rico Teil. Übrigens werden die meisten Touren von ehemaligen Minenarbeitern (Mineros) durchgeführt.

Die Silbermine ist die wichtigste Sehenswürdigkeit von Potosi. Im Rahmen der Tour wird zuerst der Mercado de los Mineros besucht, anschließend gibt´s eine Führung über knapp 2 h durch die Silbermine. Ich habe für diese Tour 90 Bolivianos bezahlt.

 

Die Tour zur Silbermine von Potosi am Cerro Rico – der Mercado de los Mineros

Der erste Stop am Mercado de los Mineros ist hochinteressant. Am Anfang wissen wir alle noch nicht so genau, was uns eigentlich erwartet. Auf diesem Markt gibt es alles zu kaufen, was die Minen-Arbeiter benötigen: 96%iger Alkohol, Dynamit-Stangen, Cola, Kekse und verpackte Coca-Blätter.

Vielleicht ist dies der einzige Markt, auf den man legal Dynamit kaufen kann. Verrückt. Der Mercado de Mineros befindet sich am Fuße des Cerro Rico, von hier ist es nicht mehr weit bis zum Bergwerk und zu den Wellblechbaracken der Bergarbeiter. Unser Guide erzählt uns noch einiges über die Geschichte der Mine und die aktuellen Arbeitsbedingungen. Dann bittet er uns, doch evt. ein Geschenk für die Bergarbeiter (mineros) zu kaufen: Alkohol für die Reinigung von Wunden oder auch etwas Dynamit für Sprengungen. Ich selbst entscheide mich für einen Packen an Coca-Blätttern.

 

Potosí – Eintritt in die Silbermine des Teufels

Schon im Eingangsbereich des Bergwerks gibt es einen ersten Einblick, unter welchen harten Bedinungen die Bergarbeiter zu arbeiten scheinen. Bei den Behausungen handelt es sich um einfachste Hütten. Die Loren werden von den Bergarbeitern mit purer Muskelkraft rausgebracht. Unser Guide meint, dass die Lore selbst eine halbe Tonne wiegt und das Erz 1.5 Tonnen.

Am Eingangsbereich der Silbermine von Potosi
Am Eingangsbereich der Silbermine von Potosi

 

Potosi Silbermine
Die Loren an der Silbermine Potosi

 

Unser Guide spricht weiter über die harten Arbeitsbedingungen im Inneren der Silbermine. Bei der Vorstellung, auf über 4.000 Metern Höhe und bei Temperaturen von  ca. 30 °C länger als 5 Stunden zu arbeiten, wird mir schon übel.  Nach wenigen Minuten schalten wir unsere Lampe an und treten mit kniehohen Gummistiefeln in die Silbermine von Potosi ein.

Draußen habe ich bemerkt, dass in den Loren vor allem Sphalerit (Zink-Sulfid) und Pyrit (Eisen-Sulfid) rausgebracht werden. Bereits nach wenigen Minuten erfolgt der erste Stop vor einem Abbild des Teufels. Die spanischen Eroberer versuchten natürlich, das Christentum mit Gewalt durchzusetzen. Im Cerro Rico aber arbeiten die Mineros unter der Erde und so befinden sie sich im Reich des Teufels. Deswegen befindet sich an jedem Eingang des Berges eine Teufels-Figur, welcher Opfergaben gebracht werden können – Coca-Blätter, Zigaretten und manchmal auch Alkohol. Ich sehe auch Notiz-Zettel, auf denen die Wünsche der Bergarbeiter stehen. Sie bitten um Schutz und erzählen von den Sorgen für mich ungreifbarer Schicksale.

potosi silbermine teufel abbild bolivien
Am Eingang der Silbermine – ein Abbild des Teufels.

 

Eindrücke aus der Silbermine von Potosí

Während der Tour geht mir X-Mal der Gedanke durch den Kopf, dass es sehr anstrengend sein muss, in der Silbermine zu arbeiten. Die Bedingungen sehen teilweise katastrophal aus. Das Abbild des Teufels im Eingangsbereich verwundert mich nicht mehr. Nach 8 Stunden Arbeit muss man sich hier tatsächlich vorkommen wie im Schlund der Hölle.

Es herrschen Temperaturen von mehr als 30 °C und ich schwitze schon, als wir einige Leitern im Inneren des Bergwerkes hoch- und runterklettern. Bei 4.000 Metern Höhe ist das auch nicht verwunderlich. Die Loren werden mit Muskelkraft bewegt, einige Minenarbeiter haben deswegen schmerzverzerrte Gesichter. Ein Minero mit entzündeter Schulter erhält 96%igen Alkohol zum Reinigen der Wunde. Wir alle überreichen den Mineros unsere Geschenke, sie bedanken sich mit einem knappen Nicken und kauen schweigend ihre Kokablätter.

Es ist schwierig, sich im in der Silbermine zu orientieren. Die Gänge scheinen sich überallhin zu verzweigen. Irgendwann wird der gesamte Berg in sich zusammenbrechen, denke ich mir. Ich fühle mich wie in einem beengten Labyrinth. Einige der Stützbalken sind vermodert, teilweise müssen die Arbeiter durch mit Pfützen behaftete Gänge kriechen. Nicht wenige bezeichnen die Silbermine von Potosi als das gefährlichste Bergwerk der Welt. Diese Mine hat viele Frauen zu Witwen gemacht.

Wie viele Opfer hat es hier wohl gegeben? Wie häufig gibt es Unfälle? Sind schon oft Leute durch Sprengungen mit Dynamit gestorben?

In der SIlbermine Potosí - ein Minero bei der Arbeit.
In der Silbermine Potosí – ein Minero bei der Arbeit. Foto von Beo.

 

 

Die Silbermine von Potosi im Cerro Rico – reicher Berg oder armer Berg?

Einst war die Silbermine in Potosi die reichste der Welt, sie hat der Stadt Reichtum und Einfluss gebracht. Reichtum, von dem aber vor allem die spanischen Kolonialherren profitiert haben. Schätzungen zufolge soll hier zwischen 1556 und 1783 rund 45.000 Tonnen reines Silber gefördert worden sein. Heute ist der Berg nicht mehr reich, denn die Vorkommen sind fast erschöpft. Es werden ausschließlich Zink und Zinn gewonnen. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts war der größte Teil des Silbers ausgebeutet.

Es arbeiten noch ungefähr 15.000 Männer im Cerro Rico. Männer, die sicher nicht reich sind und mit denen ich nicht tauschen möchte. Laut der Vereinten Nationen sollen sogar rund 10% der Arbeiter minderjährig sein. Für die Bewohner ist die Mine wohl Fluch und Segen zugleich. Die Silbermine ernährt fast die gesamte Stadt und das seit rund 500 Jahren. Für viele Männer gibt es keine andere Möglichkeit, als unter flackerndem Licht in der Mine den Lebensunterhalt zu verdienen.

potosi silbermine bolivien
Die Loren in der Slbermine werden mit reiner Muskelkraft bewegt. Foto von Beo

 

Die Bergarbeiter von Potosí

Am nächsten Tag schaue ich mich ein wenig auf den Halden der Mine um, die Kamera lasse ich in der Residencia, da ich auch ein unbekanntes Viertel durchstreifen muss. Als Geologe interessiert mich natürlich auch, welche Mineralien sich finden lassen. Am Eingang der Mine habe ich ja aussschließlich Sphalerit (Zinkerz, schwarze Farbe) und Pyrit (glänzend grau) in derber Form gefunden.

silbermine potosi
Sphalerit (Zinkerz, schwarze Farbe) und Pyrit aus der Mine von Potosi.

 

Da das Zinkerz abgebaut wird, rechne ich damit, auf den Halden nur noch Pyrit zu finden. So kommt es auch. Ich finde Unmengen an Pyrit, meistens erscheint er derb und nur selten kristallisiert.

Potosi Bolivien
Pyrit, gefunden auf den Halden der Mine in Potosi.

 

Am frühen Abend laufe ich zurück, dabei treffe ich auf einige Bergarbeiter. Sie sitzen am Straßenrand beisammen und trinken etwas Bier. Zwei von ihnen tragen ein Ronaldo-Trikot, ein anderer trägt eines von Bayern München. Nach einer kurzen Unterhaltung setze ich mich dazu und wir trinken gemeinsam Bier.

Carlos, Diego, Juan, Carlos und Mario erzählen mir viel. Sie fragen mich aus, was ich in Bolivien mache und warum ich so gut Spanisch spreche. Wir unterhalten uns lange, später gebe ich noch einige Biere aus und es wird sehr lustig. Von meinem gefundenen Pyrit zeigen sie sich unbeeindruckt. Carlos meint, er hätte schon 100-mal so große Kristalle gefunden. Wie sich herausstellt, ist Carlos wohl der direkte Vorgesetzte der anderen und leitet die Schicht.

Es wird bestätigt, dass auch Leute unter 18 Jahren in der Mine arbeiten. Als sie mir von ihrer Arbeit in der Mine erzählen, da bin ich froh, nicht in Potosi geboren worden zu sein. Als ich mich verabschiede, da schenkt mir Carlos noch ein größeres Stück Zink-Erz.

 

Die Potosí Silbermine – mein Fazit

Wer Potosí besucht, der sollte sich definitiv auch die Silbermine anschauen. Für mich war der Besuch der Mine ein interessantes und zugleich sehr bedrückendes Erlebnis.

Man erhält einen Eindruck vom Bergwerk, erfährt hautnah sehr viel über die regionale Geschichte von Potosi. Außerdem kommt man hautnah mit dem Schicksal der Bergarbeiter in Berührung. Dabei wurde mir zum x-Mal bewusst, dass ich bereits bei meiner Geburt in Deutschland unglaublich viel Glück hatte.

 

Auf dieser Seite findest du noch weitere Artikel über Bolivien. Du kannst dich auch allgemein über das Backpacking in Bolivien informieren.

Hast du auch schon mal das Silberbergwerk in Potosi besucht? Wie waren deine Eindrücke? Hat dir dieser Artikel denn gefallen oder vielleicht sogar bei deiner Reiseplanung geholfen? Wenn ja, dann teil´ doch den Artikel oder hinterlass´ ein „Gefällt mir“ =)

An dieser Stelle noch ein großes Dankeschön an meinen Freund Beo, der mir seine Fotos überlassen hat.

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4 Kommentare zu Potosi Silbermine in Bolivien – mein Besuch des Bergwerks am Cerro Rico

  1. Danke für den interessanten Beitrag. Wir waren zwar in Potosi, aber die Minen haben wir uns nicht angeschaut. Mir war das zu gefährlich, weil es hieß, es seien da so viele Giftstoffe in der Luft. Das wollte ich nicht riskieren.

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